KISD – Köln International School of Design

Semniar über den Ebertplatz

Das Seminar wird geleitet von Prof. Dr. phil. Dipl.-Ing. Carolin Höfler (Köln International School of Design der TH Köln) und von Mario Frank.

In der ersten Woche eines zweiwöchigen Workshops im Juni 2018 wurde in einer gemischten Gruppe aus Architektur-Studierenden der RWTH Aachen und Design-Studierenden der KISD der TH Köln eine intensive „Feldforschung“ am Platz durchgeführt.

In der Gemeinde arbeiten die Studenten der KISD nun weiter an sinnvollen Maßnahmen zur Belebung und Aufwertung des Ebertplatzes.

Dabei wollten die Studierenden herausfinden,
a) welche Akteure und Akteurinnen sich auf dem Ebertplatz identifizieren lassen,
b) wie der Platz zu unterschiedlichen Tageszeiten und Wochentagen genutzt wird,
c) welche Gebrauchsweisen des Platzes vorliegen,
d) welche Praktiken der Platzaneignung und Platzverteidigung es gibt,
e) welche Bewegungsmuster sich ausmachen lassen,
f) welche materiellen Bewegungsspuren auf dem Platz eingeschrieben sind,
g) wo sich die Platzakteure temporär oder dauerhaft aufhalten,
h) welche Beziehungsgefüge den Platz beherrschen,
i) zu welchen Interaktionen die Platzgestaltung motiviert und welche sie ausschließt,
j) welche unterschiedlichen Orten und Atmosphären der Platz aufweist.

In der zweiten Woche haben sich die Studierenden der beiden Hochschulen wieder in zwei unterschiedliche Arbeitsgruppen getrennt. Die angehenden Architekt*innen haben in der zweiten Woche bauliche und ephemere Strukturen für den temporären Aufenthalt entworfen, wovon sich einige auf die Außengastronomie bezogen. Diese offenen Strukturen dienten der Erweiterung der Gastronomie und schufen Orte des Sitzens, des Teetrinkens, des Verweilens. Dabei ging es unter anderem um die Platzierung des Platz-Cafés, wobei manche Entwürfe auch von der Gastronomie losgelöst waren. So gab es Ideen zu atmosphärenstiftenden, raumgreifenden Installationen oder auch einem temporären Turmbau für einen Überblick über den Platz.

Die Designstudierenden haben in der zweiten Woche weitere Feldforschungen unternommen und ihre Ergebnisse in Gestalt von Fotografien, Photogrammetrien, Drohnenfilmen, Interviews mit Bewohner*innen und Platznutzer*innen, Bewegungsaufzeichnungen, Notationen, Mappings, Modellen umgesetzt, die sie später in der Ausstellung in den ehemaligen Geschäftsräumen der Deutschen Bank am Ebertplatz gezeigt haben.

Unter den verschiedenen Teams der KISD der TH Köln gab es eine Gruppe, die die öffentliche mediale Darstellung des Ebertplatzes auf Instagram und in der Mainstream-Presse untersucht hat, um herauszufinden, wie die öffentlichen Wahrnehmungen des Ebertplatzes strukturiert und die Aufmerksamkeiten konfiguriert werden.
Eine andere Gruppe hat den Ebertplatz mit dem Brüsseler Platz und dem Chlodwigplatz verglichen, um zu analysieren, welche Raumprogramme sich von anderen gut funktionierenden Kölner Plätzen auf den Ebertplatz übertragen lassen (von Skate-Flächen über Graffiti-Wandbilder bis zum Wochenmarkt oder Flohmarkt).
Eine weitere Gruppe hat sich mit der Ebertplatz-Passage befasst und alle flexibel eingestellten Architekturen (Kunsträume, Copy-Shop, African Drum etc.) herausgenommen und eine neue Konfiguration flexibler Raummodule vorgeschlagen.

An der Vielzahl der verschiedenen Ergebnisse kann gesehen werden, dass es nicht nur darum ging, einen geeigneten Platz für die Außengastronomie zu finden. Vielmehr ging es grundsätzlich darum, differente Akteure, Orte, Erzählungen und Atmosphären des Platzes auszumachen, freizulegen, systematisch zu untersuchen und möglichst präzise visuell, materiell und sprachlich darzustellen. Um dann in einem zweiten Schritt darüber zu spekulieren, welche Möglichkeiten des Umgangs es gibt – mit der gegenwärtigen Platzarchitektur, mit den temporären und ständigen Platzbewohnern – und mit welchen Nutzungen und Gebrauchsweisen der Platz temporär oder permanent programmiert werden könnte.